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Interview mit Evelyn Rosa

05.10.2018
Interview mit Evelyn Rosa

1. Im Frühjahr hast du die Swiss Cup Tasters Championship gewonnen. Was hat sich seither für dich verändert?
Seit diesem Moment haben sich viele neue Türen für mich geöffnet. Ich durfte vieles erleben und lernen!  Ich sah zu, wie Schweizermeister in den Disziplinen Barista, Brewers Cup und Latte Art gekürt wurden und tauchte in die Welt des Spezialitätenkaffees ein. Im Juni wurde ich Q-Grader und habe damit die weltweit renommierteste Kaffee-Sensorik-Ausbildung erfolgreich absolviert. Dies feierte ich mit meinen Kaffeefreunden in Amsterdam an der „World of Coffee“. Dort sah ich auch, wie die erste Frau die Barista Weltmeisterschaft gewonnen hat.

Zusätzlich durfte ich mein Kaffeewissen und meine Passion für die Sensorik mit weiteren Personen teilen. Bei der Einweihung des neuen Rheinschiffs in Basel führte ich beispielsweise einen Filterkaffee- und Cupping-Workshop durch. Kürzlich war ich auch im Schweizer Fernsehen beim Kassensturz als Expertin für Kapselkaffee zu Gast. Ich bin begeistert, wie viele Leute sich für Kaffee interessieren und mit Leidenschaft dabei sind.

 

2. Wie bereitest du dich zurzeit auf die Weltmeisterschaften vor?
Das Praktische bei der Disziplin „Cup Tasting“ ist, dass ich meine „Werkzeuge“ - meine Sinnesorgane - immer dabeihabe. Alles was ich trinke oder esse, analysiere ich bewusst. Wie sieht es aus, wie riecht es, wie schmeckt es, oder wie hört es sich an?

Tagsüber trinke ich gerne Filterkaffee mit meinen Kollegen im Labor. Wir besprechen im Anschluss unsere Eindrücke. Zudem verkosten wir zur Qualitätssicherung täglich viele Kaffees. In der UCC Coffee Academy geniesse ich ab und zu einen Espresso oder Cappuccino. Auch diesen versuche ich so genau wie möglich zu beschreiben.

Damit ich meine Konzentrationsfähigkeit, meinen Fokus und mein Tempo verbessern kann, brühe ich mehrmals in der Woche ein achter Set à drei Tassen und simuliere so die Meisterschaft. Die Teilnehmer an den Meisterschaften müssen aus acht Sets à drei Tassen innerhalb von maximal acht Minuten die Tasse herausschmecken, welche nicht identisch ist mit den anderen zwei Tassen innerhalb eines Sets.

Abends koche ich sehr gerne oder gehe mit meiner Familie und Freunden essen. Ich liebe gutes Essen! Damit ich auch körperlich und mental Fit bleibe, ist Sport für mich sehr wichtig. Ich spiele in einem Verein Fussball und liebe im Allgemeinen Outdoor Aktivitäten. Kurz gefasst: Ich trainiere meinen Geruchs- und Geschmacksinn täglich, und auch meine Freizeitaktivitäten gehören mittlerweile zu meiner Vorbereitung für die WM in Brasilen.

 

3. Wer begleitet dich nach Brasilien? Reist du mit Familie oder Freunden?
Ich habe das Glück gemeinsam mit Familie und Freunden nach Brasilien reisen zu dürfen. Mein Bruder ist auch mein „Mental-Coach“. Wir haben eine super Beziehung und sind schon viel zusammen gereist. Niemand kennt mich schon so lange und so gut wie er. Wir verstehen uns ganz ohne Worte. Er weiss, was mich motiviert oder was ich gerade brauche. Er ist also genau die richtige Begleitperson für die WM, denn meine Tagesform ist bei dieser Meisterschaft enorm wichtig. Meine zweite Begleitperson wird André Eiermann sein. Er wurde 2017 Barista Schweizermeister und nahm letztes Jahr selbst an einer Weltmeisterschaft teil. Er weiss, wie es sich meiner Position anfühlt und wie eine Weltmeisterschaft abläuft. Deshalb hilft er mir bei organisatorischen Angelegenheiten und wird vor Ort dabei sein.

Zusätzlich werden noch weitere Schweizer Freunde vor Ort sein, unter anderem der Latte Art Schweizer Meister Gijtipong Thangsubutr und die Brewers Cup Schweizer Meisterin Emi Fukahori, welche in ihren Disziplinen an der Weltmeisterschaft in Brasilien teilnehmen werden. Ich freue mich auf die kommende Zeit in Brasilien und hoffe auf viele schöne Momente.

 

4. Hast du ein Ziel für deine Teilnahme?
Mein Ziel ist es, Spass zu haben, diese spannende Erfahrung zu geniessen und mein Bestes zu geben.

 

5.  Wie steht es mit der Nervosität?
Die hält sich noch in Grenzen. Vielmehr wächst aktuell noch die Vorfreude. Ich zähle schon seit acht Monaten die Tage bis zur WM und versuche jeden einzelnen zu geniessen und bewusst zu erleben. Klar bin ich auch etwas nervös, schlafe jedoch noch gut. Die Nervosität wird wohl kommen, sobald ich auf dieser Bühne stehe und die acht Minuten laufen.

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